Eine Wärmepumpe mit einem Wirkungsgrad von 400 Prozent erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom ganze vier Kilowattstunden Wärme. Wie ist das möglich? Wärmepumpen erzeugen keine Wärme, sondern holen sie sich aus der Umgebung (Luft, Erde oder Grundwasser). Strom wird nur benötigt, um diese Umweltwärme auf Heiztemperatur zu bringen. Aktuelle Feldstudien des Fraunhofer ISE bestätigen dies. Moderne Wärmepumpen erreichen in Bestandsgebäuden eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 2,6 bis 5,4 und senken die CO₂-Emissionen um 64 % gegenüber Gasheizungen.
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Inhaltsverzeichnis:
Warum hat eine Wärmepumpe einen Wirkungsgrad über 100 %?
Der Begriff „Wirkungsgrad" wird bei Wärmepumpen oft missverstanden. Bei einer Gasheizung beschreibt der Wirkungsgrad, wie viel Prozent der chemischen Energie aus dem Brennstoff tatsächlich als Nutzwärme ankommen. Aus physikalischen Gründen sind das immer weniger als 100 %. Eine Wärmepumpe funktioniert allerdings grundlegend anders. Und das ist ziemlich genial: Sie wandelt Energie nicht um, sondern transportiert vorhandene Umweltwärme von einem niedrigen auf ein höheres Temperaturniveau.
Oder einfach gesagt:
Eine Gasheizung macht aus Brennstoff Wärme – mit Verlusten. Eine Wärmepumpe nimmt vorhandene Wärme und transportiert sie von außen nach innen. Die Wärme wird konzentriert. Der Strom treibt dabei nur die Pumpe an.
Die elektrische Energie treibt den Kompressor an. Der Kompressor erhöht den Druck eines Kühlmittels, sodass es kondensiert – dabei ändert sich die Temperatur. Das Kältemittel gibt Wärme ab, die das Heizungswasser auf Vorlauftemperatur bringt.
Der Clou: Der Stromverbrauch ist dabei viel geringer als die gewonnene Wärme. Fachleute messen dieses Verhältnis mit der Leistungszahl oder dem COP (Coefficient of Performance). Eine Wärmepumpe mit einer JAZ von 4 liefert aus 1 kWh Strom ganze 4 kWh Wärme. Der größte Teil dieser Energie stammt aus der Umwelt – der Strom treibt nur den Prozess an, der sie nutzbar macht.
Im Alltag werden „Wirkungsgrad" und „Effizienz" oft synonym verwendet – bei Wärmepumpen ist die Unterscheidung aber wichtig. Der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe ist technisch festgelegt und kann nach der Produktion nicht mehr verändert werden. Was sich ändern lässt: die Betriebsbedingungen (Außentemperatur, Vorlauftemperatur), unter denen die Wärmepumpe arbeitet. Je günstiger diese Bedingungen sind, desto näher arbeitet die Anlage an ihrem optimalen Wirkungsgrad – und desto effizienter ist sie im Alltag. Wenn wir in diesem Artikel also von „Effizienz steigern" sprechen, meinen wir genau das: die Bedingungen so optimieren, dass die Wärmepumpe möglichst nah an ihrem Maximum arbeitet.
COP, SCOP und JAZ: Was ist der Unterschied?
COP misst die Effizienz im Moment, SCOP über eine simulierte Heizsaison, JAZ über ein reales Betriebsjahr. Alle drei Kennzahlen drücken dasselbe Verhältnis aus: Wie viel Kilowattstunden Wärme liefert die Wärmepumpe pro Kilowattstunde Strom? Der COP stammt aus dem Labor, der SCOP vom EU-Energielabel, die JAZ aus deinem tatsächlichen Verbrauch.
Wichtig: COP und SCOP sind theoretische Werte unter Normbedingungen. Die JAZ zeigt, wie effizient deine Wärmepumpe wirklich arbeitet. Dabei werden auch Klima, Gebäude, Nutzerverhalten und Regelungen berücksichtigt.
Welche Wirkungsgrade erreichen Wärmepumpen in der Praxis?
Die Fraunhofer ISE Langzeitstudie hat 77 Wärmepumpen über vier Jahre in Bestandsgebäuden untersucht. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede je nach Wärmequelle:
Wärmepumpentyp
JAZ-Bereich
Durchschnitt
Luft-Wasser-Wärmepumpe
2,6 – 4,9
3,4
Erdwärmepumpe
3,6 – 5,4
4,3
Grundwasser-Wärmepumpe
4,0 – 5,5
4,5
Luft-Luft-Wärmepumpe
2,5 – 4,0
3,2
Quelle: Fraunhofer ISE, 2025
Es lässt sich also eine recht große Bandbreite feststellen. Warum ist das so?
Der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe hängt stark davon ab, wie sie geplant und eingestellt ist – und welche Wärmequelle sie nutzt. Erdwärme- und Grundwasserpumpen arbeiten effizienter, weil ihre Wärmequelle ganzjährig konstant 8–12 °C warm bleibt. Luftwärmepumpen müssen dagegen im Winter mit kalter Außenluft arbeiten. Das kostet mehr Strom und senkt den Wirkungsgrad.
tado° Tipp
Die JAZ allein sollte nicht das einzige Entscheidungskriterium sein bei einer Wärmepumpe sein. Erdwärme- und Grundwasserpumpen brauchen z.B. Genehmigungen, Bohrungen und vor allem ausreichend Platz- Luftwärmepumpen hingegen sind einfacher zu installieren.
Was beeinflusst die Effizienz einer Wärmepumpe?
Temperaturdifferenz (Temperaturhub)
Die Effizienz einer Wärmepumpe sinkt mit steigender Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heizungsvorlauf. Konkret: Je wärmer die Quelle (Außenluft, Erdreich) und je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe.
Beispiel: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht bei +7 °C Außentemperatur und 35 °C Vorlauf einen COP von 4,5. Bei -7 °C Außentemperatur und 55 °C Vorlauf sinkt der COP auf etwa 2,5.
Wärmequelle
Erdreich und Grundwasser liefern ganzjährig stabile Temperaturen zwischen 8 und 12 °C. Luftwärmepumpen müssen dagegen mit Temperaturschwankungen von -15 bis +35 °C arbeiten. Die Fraunhofer-Studie zeigt: Im Durchschnitt arbeiten Erdwärmepumpen um 25 % effizienter als Luftwärmepumpen.
Vorlauftemperatur
Fußbodenheizungen benötigen nur 30–35 °C Vorlauftemperatur, klassische Heizkörper oft 50–55 °C. Dieser Unterschied kann den COP um 30–40 % verändern.
Inverter-Technologie
Moderne Wärmepumpen mit Inverter-Verdichter passen ihre Leistung stufenlos an den Bedarf an. Im Teillastbereich – wo Heizungen die meiste Zeit arbeiten – sind sie deutlich effizienter als Ein/Aus-geregelte Geräte.
Kältemittel
Das Kältemittel ist das Transportmedium im Inneren der Wärmepumpe: Es nimmt die Umweltwärme auf, wird verdichtet und gibt die Wärme an die Heizung ab. Welches Kältemittel verwendet wird, beeinflusst sowohl die Effizienz als auch die Umweltbilanz.
R290 (Propan) gilt als zukunftssicherer Standard:
GWP-Wert: nur 3 (R32: 675, R410A: 2.088)
COP-Werte: 4,5–5,2 bei Standardbedingungen
Vorlauftemperatur: bis 75 °C möglich
Förderung: 5 % zusätzlicher Bonus bei BEG-Förderung
Die Effizienz einer Wärmepumpe wird anhand von Leistungszahlen angegeben. Diese beschreiben das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom – je höher, desto effizienter. Die Grundformel:
Effizienz = Erzeugte Wärme ÷ Eingesetzter Strom
Je nachdem, über welchen Zeitraum und unter welchen Bedingungen gemessen wird, unterscheidet man:
COP: Momentaufnahme unter optimalen Laborbedingungen
SCOP: Durchschnitt über eine simulierte Heizsaison (EU-Norm)
JAZ: Realer Durchschnitt, gemessen über ein ganzes Betriebsjahr
Ein kurzes Beispiel: Ein Einfamilienhaus benötigt 15.000 kWh Wärme pro Jahr. Die Wärmepumpe verbraucht dafür 4.000 kWh Strom. Die JAZ beträgt dann:
15.000 ÷ 4.000 = 3,75.
Eine JAZ von 4,0 gilt allgemein als sehr guter Wert – die Wärmepumpe liefert dann im Jahresschnitt 4 kWh Wärme pro 1 kWh Strom.
So holst du noch mehr aus deiner Wärmepumpe heraus
Kurz gesagt: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter die Wärmepumpe. Denn eine niedrigere Vorlauftemperatur bedeutet weniger Temperaturhub – und damit weniger Stromverbrauch. Die gute Nachricht aus der Fraunhofer-Studie: Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Baujahr eines Gebäudes und der Effizienz der Wärmepumpe. Auch im Altbau lässt sich die Vorlauftemperatur oft senken. Mit diesen Maßnahmen holst du noch mehr aus deinem System heraus:
Hydraulischer Abgleich: Sorgt für optimale Wasserverteilung und ermöglicht niedrigere Systemtemperaturen.
Heizkurve anpassen: Stelle die Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich ein – gerade so, dass die Raumtemperatur erreicht wird.
Smarte Regelung nutzen: Mitsmarten Thermostaten regelst du jeden Raum individuell. Systeme wie tado° erkennen geöffnete Fenster, passen sich an deine Gewohnheiten an und senken die Temperatur, wenn niemand zu Hause ist.
Heizflächen vergrößern: Kleine oder schlecht platzierte Heizkörper brauchen hohe Vorlauftemperaturen, um den Raum warm zu bekommen. Der Austausch gegen größere Modelle oder Niedertemperatur-Heizkörper senkt den Vorlaufbedarf.
Gebäude dämmen: Jede Reduktion der Heizlast senkt nicht nur den Energiebedarf, sondern ermöglicht auch niedrigere Vorlauftemperaturen.
tado° maximiert die Effizienz deiner Wärmepumpe
Mit dem tado° Wärmepumpen-Optimierer X holst du durchschnittlich 22 %1 mehr Effizienzaus deinem System. So funktioniert's:
Volle Kontrolle per App
Der tado° Wärmepumpen-Optimierer X verbindet deine Wärmepumpe mit der tado° App und macht sie damit smart. Du steuerst dein Heizsystem von überall, verfolgst den Energieverbrauch in Echtzeit und siehst genau, wie effizient deine Räume und dein Warmwasser beheizt werden. Die DIY-Installation mit der tado° App gelingt in wenigen Minuten – Nutzer bewerten sie mit 4,6 Sternen.
tado° Balance
Mit dem tado° Balance Abo nutzt deine Wärmepumpe automatisch die günstigsten und effizientesten Betriebszeiten:
Dynamische Stromtarif-Integration: Das System berücksichtigt schwankende Strompreise und vermeidet Heizen in teuren Spitzenzeiten.
PV-Integration: Besitzt du eine Photovoltaikanlage? Balance verlagert Heizphasen gezielt auf Zeiten, in denen deine Anlage Strom produziert – für maximalen Eigenverbrauch.
Außentemperatur-Optimierung: Das System bezieht Wetterdaten ein und verschiebt das Heizen auf die thermodynamisch günstigsten Zeitpunkte.
Kompatibel mit führenden Marken
Der Optimierer arbeitet mit vielen europäischen Wärmepumpen zusammen, darunter Panasonic, Vaillant, Viessmann und weitere. tado° ist exklusiver Partner von Panasonic für smarte Wärmepumpen-Lösungen.
Hydraulischer Abgleich per Software
Seit Dezember 2024 bietet tado° den softwarebasierten hydraulischen Abgleich für Smarte Heizkörper-Thermostate X an. Statt teurer Handwerkertermine und Ventiltausch lernt das System selbstständig, wie viel Durchfluss jeder Heizkörper benötigt – und begrenzt die Ventile entsprechend.
Die Vorteile:
Keine Installationsarbeiten am Heizungssystem nötig
Gleichmäßige Wärmeverteilung in allen Räumen
Optimierte Effizienz von Heizkessel oder Wärmepumpe
Für Panasonic Aquarea-Nutzer mit Wärmepumpen-Optimierer X kostenlos enthalten
Raumweise Regelung mit Smarten Heizkörper-Thermostaten
Der Wärmepumpen-Optimierer arbeitet nahtlos mit den tado° Smarten Heizkörper-Thermostaten X zusammen. Diese erfassen die tatsächliche Raumtemperatur und melden sie an den Optimierer – für eine bedarfsgerechte Steuerung statt pauschaler Vorlauftemperaturen. Das Ergebnis: Die Wärmepumpe läuft nur dann, wenn tatsächlich Wärme benötigt wird.
tado° Tipp
Die Kombination aus Wärmepumpen-Optimierer X, Balance-Abo und Smarten Heizkörper-Thermostaten bildet ein geschlossenes System, das Wärmequelle, Verteilung und Raumtemperatur intelligent aufeinander abstimmt – für maximale Effizienz bei minimalem Aufwand.
Fazit: Der Wirkungsgrad entscheidet über die Wirtschaftlichkeit
Eine Wärmepumpe mit 400 % Effizienz ist keine physikalische Unmöglichkeit, sondern das Ergebnis cleverer Thermodynamik. Sie nutzt kostenlose Umweltwärme und multipliziert damit die eingesetzte elektrische Energie. Die erreichbare Effizienz hängt von der Wärmequelle, der Vorlauftemperatur und der Regelung ab. Mit modernen Systemen und smarter Steuerung – wie dem tado° Wärmepumpen-Optimierer X – holst du das Maximum aus deiner Wärmepumpe und senkst Heizkosten sowie CO₂-Ausstoß nachhaltig.
¹Basierend auf internen Daten von Durchschnittswerten aller tado°-Nutzer, erhoben bis 30.11.23.
FAQs
Welche JAZ ist realistisch?
Für Luft-Wasser-Wärmepumpen sind JAZ-Werte zwischen 3,0 und 4,0 realistisch, für Erdwärmepumpen 3,5 bis 4,5. Bei optimaler Auslegung – etwa mit Fußbodenheizung und niedriger Vorlauftemperatur – sind auch Werte über 4,5 erreichbar. Eine Fraunhofer-Studie zeigt, dass selbst in Bestandsgebäuden ohne Komplettsanierung gute Effizienzwerte möglich sind.
Welche Wärmepumpenmodelle bieten den besten Wirkungsgrad für Einfamilienhäuser?
Für Einfamilienhäuser empfehlen sich moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen mit R290-Kältemittel und Inverter-Technologie. Diese erreichen SCOP-Werte von 4,5–5,5 und arbeiten dank stufenloser Leistungsanpassung auch bei Teillast effizient. Bei höherem Budget bieten Erdwärmepumpen die besten Langzeitwerte.
Kann man den Energieverbrauch einer bestehenden Wärmepumpe senken?
Ja – auch wenn der Wirkungsgrad der Wärmepumpe selbst feststeht, lässt sich der Energieverbrauch deutlich reduzieren. Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass alle Räume gleichmäßig versorgt werden und die Vorlauftemperatur nicht unnötig hoch sein muss. Smarte Raumregelung wie das tado° System reduziert den Wärmebedarf durch Geofencing, Zeitpläne und automatische Anpassung an Wetterdaten – so läuft die Wärmepumpe nur, wenn tatsächlich Wärme gebraucht wird.
Wie umweltfreundlich sind Wärmepumpen wirklich?
Laut einer Fraunhofer-Studie lagen die CO₂-Emissionen der untersuchten Wärmepumpen im Jahr 2024 um 64 % niedriger als bei vergleichbaren Gasheizungen. Mit zunehmendem Anteil erneuerbarer Energien im Strommix verbessert sich diese Bilanz weiter.